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| "Unterwegs sein im Alter – Lust oder Frust". Unter diesem Titel lud die TERTIANUM-Stiftung am 9. 10. zu einer öffentlichen Veranstaltung ein. |
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Alles Lebendige bewegt sich – ohne Bewegung kein Leben – und doch werden Bewegungen ganz unterschiedlich wahrgenommen, je nach Haltung anders aussehen. Ein flanierender Müssiggänger hat einen anderen Gang als ein marschierender Soldat. Eine andere Lebensart, eine andere Einstellung zum Leben offenbart sich in einer anderen Gangart.
Auch das Tempo bestimmt die Form der Bewegung. In unserer gehetzten Zeit beschleunigen sich so viele Vorgänge, dass uns von Zeit zu Zeit der Atem stockt. Im Strassenverkehr stehen dem Drang zu immer grösserer Eile die unvermeidlichen Staus entgegen. Im persönlichen Bereich empfehlen sich regelmässige Momente der Entschleunigung, sei es Meditation, seien es andere Formen zeitloser Entspannung.
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Zu Fuss gehen ist gesünder, als mit dem Auto zu fahren – eigentlich wissen wir es alle. Ist uns nicht mehr bewusst, dass wir beim gemütlichen Spazierengehen die Natur viel aufmerksamer und bewusster wahrnehmen können, als wenn wir, eventuell noch mit einem Kopfhörer im Ohr, 10 km joggen?
Mit solchen und ähnlichen Gedanken eröffnete Prof. Dr. Helmut Bachmaier, Präsident des Stiftungsrates der TERTIANUM-Stiftung, diese Tagung.
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Mobilität im Alter – unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Muster
Nach unterschiedlichen Parametern hat Pasqualina Perrig-Chiello an der Universität Bern das Mobilitätsverhalten älterer Menschen untersucht. Mobilität im Alter bleibt eine Grundvoraussetzung für Zufriedenheit und Lebensqualität. In einer Studie aus 17 Ländern wurden folgende Faktoren genannt, die für die Lebensqualität unabdingbar sind:
- Soziale Beziehungen
- Gesundheit
- Unabhängigkeit
- Mobilität
- Finanzielle Mittel
- Respekt und Anerkennung.
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Es erstaunt nicht, dass Senioren bis ins hohe Alter gern Auto fahren, insgesamt allerdings kürzere Strecken zurücklegen und mit zunehmendem Alter vorwiegend zu Mitfahrenden werden. Ebenso wenig überrascht die Erkenntnis, dass ältere Menschen vom hektischen Verkehr abgeschreckt werden und Fahrten bei ungünstigen Strassenverhältnissen sowie bei Dunkelheit zu vermeiden versuchen.
Clown Pello zieht die Maske weg. Er appelliert an die emotionale Seite der Gäste.
Mit zunehmendem Alter nutzen alte Menschen vermehrt öffentliche Verkehrmittel, und zwar mit Vorliebe zu Randzeiten, z.B. am späten Morgen und Vormittag oder nachmittags vor 17 Uhr.
Jedoch treffen sie gerade in Tram und Bus oft auf andere Schwierigkeiten: Bus und Tram fahren zu schnell und zu ruckartig an, bremsen zu brüsk, die Trittbretter sind zu hoch, bei den automatischen Türen besteht die Gefahr, sich einzuklemmen. Wer als Gebrechlicher zu Fuss in der Stadt unterwegs ist, fürchtet sich auch, nicht mehr innerhalb einer Grünphase den Fussgängerstreifen überqueren zu können.
In den Studien zeigte sich, dass mit fortschreitendem Alter das Bedürfnis der Menschen nach Ruhe und regelmässigem Rhythmus zunimmt. Diese Schwelle verlagerte sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich in ein höheres Alter, d.h. Senioren erfreuen sich heutzutage besserer Gesundheit und ebenfalls besserer Bildung. Bemerkenswert ist die Reisefreudigkeit der Senioren. Man kann damit rechnen, dass sich diese Tendenzen in den kommenden Jahrzehnten verstärken werden.
Auch wenn mit zunehmendem Alter aus gesundheitlichen und anderen Gründen die Mobilitätsmöglichkeiten abnehmen, wurde festgestellt, dass sich alte Menschen dennoch wohlfühlen. Sie setzen andere Prioritäten: gute Gesundheit, gute Wohnbedingungen, ausreichende finanzielle Mittel und nicht zuletzt ein gutes soziales Netzwerk werden wichtiger und ersetzen weitgehend die verlorenen Reisemöglichkeiten.
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Steigerung der Mobilität im Alter
Eling D. de Bruin, Oberassistent am Sport-Institut der ETH Zürich, forscht über das Bewegungsverhalten bei älteren Menschen. Nebst anderen Alterserscheinungen verändert sich auch der Gang des älteren Menschen: Die Schrittlänge wird kürzer, der Mensch steht länger auf beiden Füssen gleichzeitig, die bevorzugte Gehgeschwindigkeit nimmt ab. Zusammen mit der Abnahme der Muskelkraft, der Seh- und Hörfähigkeit, dem Reaktionsvermögen und der Konzentration sind dies Gründe dafür, dass ältere Menschen gerade im Strassenverkehr oder in Stress-Situationen nicht mehr schnell und angemessen reagieren können. Deshalb erstaunt es nicht, dass jeder dritte Mensch über 65 mindestens einmal im Jahr stürzt. De Bruin beschäftigt sich mit der Vermittlung von Strategien für Senioren, solche Stürze zu vermeiden.
Er entwickelt auch Trainingsprogramme, um die Selbständigkeit alter Menschen zu erhalten oder zu verbessern. Zur Erhöhung der Lebensqualität trägt z.B. bei, wenn eine alte Frau in einfachen Übungen wieder lernt, sich die Stützstrümpfe selbst anzuziehen, und dadurch ein klein wenig beweglicher wird. Denn Ausdauer, Kraft und Koordination – alle drei unerlässlich für die Motorik – sind auch im Alter noch trainierbar.
Die Empfehlung, sich moderat zu bewegen, gilt ja nicht nur für ältere Menschen, sondern sollte von allen Menschen beherzigt werden, besonders von Menschen mit sitzenden Tätigkeiten. Zudem verbessert ein gezieltes Training für Kraft, Mobilität und Gleichgewichtssinn die Lebensqualität und verringert, wie erwähnt, die Sturzgefahr im Alter. Das hebt das Selbstvertrauen, die persönliche Zufriedenheit und damit auch die Sicherheit im Alltag: Wer freier geht, ohne Mühe vom Stuhl aufsteht, Treppen steigt, nimmt am Leben aktiver teil. Beweglichkeit wirkt immer auf Körper und Geist zugleich!
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Besser denken durch Bewegung!
Brigitte Stemmer, Professorin und Ärztin an der Université de Montréal, Canada, stellt Untersuchungen vor, die darauf schliessen lassen, dass sich physisches Training nicht nur auf den Bewegungsapparat des Menschen auswirkt, sondern auch positive Effekte auf die mentale Leistungsfähigkeit hat. Es lässt sich vermuten: Mit einem beweglichen Körper bin ich auch geistig beweglicher! Zur Zeit ist diese These noch nicht durch Studien bewiesen. Hinweise in computertopographischen Untersuchungen vom Gehirn berechtigen aber dazu, solche Schlüsse zu ziehen.
Wir wissen heute, dass bis ans Ende unseres Lebens aus Stammzellen in bestimmten Hirnarealen neue Hirnnervenzellen gebildet werden können und dass sich auch neue Synapsen zwischen Nervenzellen bilden können. Man kann sich nun vorstellen, dass körperliches und geistiges Training solche Nervenzellneubildungen fördert. Dies könnte dann – so lautet die Hypothese – zu verbesserten Gedächtnis- und Lernleistungen führen.
Training fördert auch die Bildung neuer Kapillaren im Gehirn und verbessert die für alle Hirnfunktionen wichtige Blutversorgung. Zudem werden durch physisches Training bestimmte biochemische Substanzen ausgeschüttet, die sowohl kognitive als auch emotionale Gehirnfunktionen beeinflussen.
Beim heutigen Stand der Forschungen kann noch kein Wissenschaftler beweisen, dass Bewegung zu besserem Denkvermögen führt. Für Teilbereiche der kognitiven Funktionen scheint Bewegung förderlich. Viele andere Fragen werden in Zukunft zu beantworten sein, so auch die Möglichkeit, Demenz-Kranken mit Hilfe von spielerischen Bewegungsübungen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.
Der von den TERTIANUM-Verantwortlichen wohldurchdachte und abwechslungsreich gestaltete Tag wurde am Nachmittag mit 4 Workshops weitergeführt, in denen die Teilnehmenden ins Gespräch kommen konnten und auf konkrete Fragen eingegangen wurde. So widmete sich Vreni Gysel, Swissport, der Flugangst und anderen Schwierigkeiten bei Flugreisen. Michael Mettler, Baumeler Reisen, stellte das Konzept seines Unternehmens vor, was Anlass gab zu unterschiedlichen Meinungsäusserungen und Erfahrungen. Andreas Meili, Zürcher Verkehrsverbund, stand Red und Antwort zu Fragen "Alte Menschen im öffentlichen Verkehr", und Eling D. de Bruin diskutierte seine Konzepte über Mobilität und Sicherheit mit der Gruppe.
Nicht nur für das leibliche Wohl wurde ausgezeichnet gesorgt, auch die emotionale Seite der Teilnehmenden, besonders die Fähigkeit zu lachen und zu lächeln, wurde angesprochen: Der Clown Pello fand immer wieder neue Wege, die Heiterkeit der Anwesenden zu wecken. Seine phantasievollen, lustigen, manchmal auch tiefsinnigen Szenen sprachen die Gefühle direkt an. Wie wir wissen, lernen wir am besten, wenn wir alle unsere Sinne und Gefühlsebenen öffnen und zwischen den kognitiven Phasen unsere kreativen Fähigkeiten spielen lassen.
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"Unterwegs in die Zukunft"
Das Schlusswort erhielt Dr. Andreas Giger: Dem Trend zur Mobilität bis ins hohe Alter stellte er die nüchterne Tatsache entgegen, dass man zwar die Jugendlichkeit mit allen Mitteln hinausschieben kann, aber das Ende nie wird vollkommen aufhalten können. Der Gedanke an diese Unaufhaltbarkeit kränkt, das lässt sich nicht leugnen. Aber würde die totale, die uneingeschränkte Mobilität nicht den totalen Kollaps unserer Welt bedeuten?
Ständiges Unterwegssein entspricht nur zum Teil dem Charakter des Menschen – trotz altem Nomadeninstinkt. Geistige Beweglichkeit und geistige Ruhe bedingen einander gegenseitig, sie bilden den Rhythmus unseres Lebens. Ist grenzenlose Mobilität in der Jugend noch ein (illusionärer) Wunsch, so zeigt sich im Alter die Einsicht, dass dies unmöglich ist. Wie in Vielem gilt es auch hier, das richtige Mass zwischen Dasein und Unterwegssein zu finden. Einschränkungen, die ich mit dem Alter akzeptieren kann, öffnen mir auch die Chance, aus Einsicht und Erfahrung gelassener, reifer zu werden und neue, bisher übersehene Welten zu entdecken, zu Weisheit zu finden. Andreas Giger schliesst mit folgendem Zitat (Gebet eines evang. Geistlichen):
"Herr, gib mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
gib mir die Gelassenheit, die Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann,und die Klugheit, zwischen beiden zu unterscheiden."
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